Familienrat beschließt neue Kinderzeiten! Reproduktive Arbeit weiterhin besonders wertgeschätzt!

Ob das irgendwen interessiert, weiß ich natürlich nicht… Aber für uns ist das elementar, wie wir zu viert die Betreuung von drei Kindern in eine Woche mit Sieben Tagen, einer Hausbaustelle und vielen verschiedenen Arbeiten und Berufen aufteilen… Also entweder lesen und staunen oder wohlwollend ignorieren:

VORGABE:

Werktags vormittags ist Kiko im Kindergarten, da sind also nur die Babys zu betreuen, das haben wir immer zu zweit gemacht.

Ansonsten sind drei Kinder zu betreuen, das haben wir bisher nur Werktags in der ersten Nachmittagshälfte zu zwei gemacht, in der Regel waren das Yuriko und Emma. Es gab das nette Ritual des Kinderwagen-Waldspaziergangs. Babys im Kinderwagen, meist schlafend, Kiko zu Fuß oder auf dem Rad dabei, im Herbst kam noch täglich Pilzesammeln dazu. Geht jetzt aber nicht mehr, es ist Winter und kalt und Kiko hat nach Waldkindergartenvormittag keine Lust mehr auf rausgehen und wir auch nicht.

UMSETZUNG DER AUFGABE:

Bisher hatten wir Yuriko im Dauereinsatz und die anderen drei hatten mehr oder weniger Zeit für Hausbau oder Erwerbsarbeit mit dem Argument (das vor allem von Yuriko selbst kam), dass sie ja kein Geld verdient und deshalb bei den Kindern bleiben kann/sollte/will. Das sah so aus:

Yuriko: Immer bei den Kindern.

Emma: Drei Tage die Woche ganz bei den Kindern, an vier Tagen mindestens einen Vierteltag

A-lex und Heiko: Zwei Tage die Woche zu drei Vierteln bei den Kindern, an vier Tagen viertel bis halb bei den Kindern, einen Tag gar nicht.

Wir sind uns in der Gemely allerdings einig, dass Kinderbetreuung keineswegs einfacher ist als andere Arbeit und es hat sich jetzt auch gezeigt, dass Yuriko nicht mehr jeden Tag den ganzen Tag „die Kinder machen“ kann.

Da haben wir uns den Kopf zerbrochen und rumgerechnet und – Wunder der Mathematik – festgestellt, dass wir, wenn wir in Zukunft alle drei Kinder den ganzen Werktagsnachmittag zu zweit betreuen, genügend Zeit gewinnen, dass Yuriko auch nur noch drei Viertel jeden Tages Kinder betreuen muss. Es wird auch gerade leichter, die drei Kinder zu zweit zu betreuen, Kiko spielt mehr mit den Jungs oder genießt Zeit alleine.

Jetzt wird es so laufen:

Yuriko: Werktags drei Viertel des Tages bei den Kindern.

Emma: Drei Werktage ganz bei den Kindern, zwei Werktage gar nicht mehr

A-lex und Heiko: Einen Werktag ganz bei den Kindern, einen gar nicht, an drei Werktagen einen Vierteltag Kinder.

Am Wochenende hat jede*r von uns an einem Tag den Dreiviertetag die Kinder und am anderen den halben Tag.

Kinder verwöhnen?

Dem Projekt „Gemely“ geht es gut*. Im Moment ist es ein bisschen hart: Kindergartenferien und kranke Eltern haben unser ausgetüfteltes Schichtsystem außer Kraft gesetzt und vor allem Emma und ich sind im Dauereinsatz. Und wieder mal erlebe ich intensiv den großen Kinderwiderspruch (der wahrscheinlich in jedem meiner Blogeinträge Thema ist, entschuldigen Sie die Redundanz): 100 Glücksmomente pro Kind pro Tag: Wie sie lachen. Wie sie laufen. Wie sie brabbeln (Babys) und singen (Kiko). Und trotzdem finde ich es nicht toll, den ganzen Tag mit Kinderbetreuung zu verbringen, zu spielen, Babys herumzutragen oder mit ihnen an der Hand in der Wohnung hin- und herzulaufen. Und in den Momenten, in denen sie sich alleine beschäftigen, den Haushalt zu machen.

Dabei sind wir doch viele Eltern und stellen meistens einen Erwachsenen pro Kind ab. Das macht die Sache immer noch angenehmer, als alleine mehr als ein Kind versorgen zu müssen, wobei wir dadurch natürlich mehr Freizeit (bzw. Arbeitszeit) pro Erwachsenennase hätten. Sowieso höre ich immer die mahnende Stimme, wir würden unsere Kinder verwöhnen, allein deshalb, weil kein Kind normalerweise so viele Eltern hat (bei uns hat ja jedes Kind mehr als einen ganzen Elternteil für sich, rechnerisch). Aber kann man Kinder überhaupt verwöhnen?

Wäre es besser, wenn wir die Zwillinge entgegen ihrer Spiel-, Kuschel- und Bewegungswünsche den ganzen Tag mitschleppen würden? Wir nehmen sie ja schon mit, wann immer wir was zu tun haben, wo das möglich ist und das Kind müde oder entspannt genug für die Babytrage ist.

Wäre es besser, nur die kleinen Zwillinge zu betreuen und Kiko mitlaufen zu lassen/sich selbst zu überlassen? Das machen wir immer dann, wenn es für sie ok scheint, wenn sie selbst gerne alleine spielt oder raus will. Ihr gar keine exklusive Zuwendung zu geben, wenn sie die gerne will – fühlt sich nicht gut an.

Wäre es besser, die Kinder vor Fernsehern oder Tablet-PCs abzusetzen?
Denn eine dritte Alternative fällt mir gar nicht ein.

Ja, wir sind immer zu zweit und oft zu dritt für unsere Kinder da, und ja, das ist nicht immer lustig für uns. Aber ich sehe keine überzeugende bessere Lösung für die Familie. Außerdem wird sich wieder alles ändern, wenn Kiko größer und noch selbständiger ist und wenn Noam und Ta laufen können (sie sind kurz davor!).

Neulich war ich mal 5 komplette Tage allein mit Noam unterwegs. Lange Zugfahrten und Besuche bei meinen Eltern. Hab ich gut hingekriegt, war natürlich auch anstrengend (nicht mal allein aufs Klo…), hat mir einen schönen neuen Blick auf Noam alleine eröffnet, den ich im Alltag nicht habe, weil ich ihn da immer als Zwilling erlebe. Da habe ich mich zwischendurch auch gefragt, was ich hier mache – einen Urlaub, in dem er möglichst auf seine Kosten kommt oder eine Reise für mich, bei der er dabei ist? Ich denke, letzteres stand im Vordergrund, und ersteres hat er dabei auch bekommen. Wenn ich mir vorstelle, wie die Reise ohne ihn gewesen wäre – dann hätte ich zwar auf den Zugfahrten mehr gelesen und endlich mal die E-Mails des Sommers bearbeitet, aber intensiver wären die Besuche bei den Verwandten auch nicht gewesen. Und die bayerischen Butterbretzeln hätten ohne sein Mitessen auch nicht besser geschmeckt.

Als ich dann wieder hier war und die Nacht mit ihm hatte, habe ich dann auch zum ersten Mal in einer Babynacht ferngesehen. Mit Kopfhörer, während Noam schlief, sein Bett so abgedeckt, dass er den Bildschirm nicht flimmern sieht. Kleine Schritte der väterlichen Emanzipation also.

Übrigens verbringen wir die Nächte zur Zeit einzeln mit den Kindern. Vorher schliefen sie zusammen im Obergeschoss unseres ersten (kleinen) Hauses: die zwei für die Babynacht zuständigen Eltern brachten je ein Kind ins Bett, dann legte sich eine*r bei ihnen hin, bereit, die folgenden Fütterungen durchzuführen, und derdie andere legte sich in sein/ihr eigenes Bett und durfte ab drei Uhr morgens als Ablösung angerufen oder angefunkt werden. Die Babys wachen nämlich jeweils (!) ungefähr dreimal pro Nacht (!) auf und haben Milchhunger.

Seit Ta neulich mit (für seine kleine Lunge) schwerer Bronchitis im Krankenhaus war und danach eher unruhige Nächte hatte, haben wir sie nachts getrennt und das beibehalten. Da ich als einziger in einem beheizten Zimmer in einem Nachbarhaus wohne (zur Erinnerung: Unser eigenes neues Haus wird erst dieses Jahr 2017 fertig), schläft seitdem immer eins der Kinder bei mir im Zimmer (es sei denn, ich habe frei, aber weil andere Eltern meist krank waren, hatte ich eigentlich nicht mehr frei). Wir Eltern sind dadurch meist ausgeschlafener, ich auf jeden Fall, weil ich nicht mehr in Versuchung komme, fast die ganze Nacht allein mit zwei Babys zu verbringen – vorher hatte ich so einen Ehrgeiz, die Ablösung erst möglichst spät zu rufen und eine Zeit lang habe ich die Nacht von Samstag auf Sonntag ganz allein mit den Babys gemacht.
Das passiert jetzt nicht mehr, dafür kann ich ganz gut einschätzen, wie viel die Babys schlafen, und kann mir (gestern) abends auch mal einen Tatort reinziehen oder (heute, es ist 3:51 Uhr) mal am Blog schreiben. Heute schläft Ta bei mir, der übrigens genauso wunderbar ist wie Noam, nur ganz anders. Ta knibbelt beim Einschlafen immer so an meinen Händen herum und streichelt immer über meine Haus – bis er dann gleichmäßig atmet.

Wir haben im vergangenen Sommer so wenig geschrieben, hatten so wenig Zeit… Wir wurden auch nicht mehr von Kameraleuten oder Reporter*innen besucht. Dabei ist es bei uns doch eher spannender geworden. So viele Kleinigkeiten, die wir regeln mussten und geregelt haben, um die Kinder zu viert großzuziehen und nebenbei trotzdem noch ein neues Haus zu bauen und in unseren Berufen zu arbeiten…

*bzw. ganz aktuell, zwei Tage später, als ich diesen Beitrag endlich hochlade: Gerade sieht es so aus, als ob wir irgendwas ändern müssten, so weiterpowern wie letzten Frühling/Sommer/Herbst schaffen wir gerade nicht… Mal sehen… Wenn sich ein*e Leser*in berufen fühlt, uns mal ein paar Tage/Wochen gegen Kost und Logis zu unterstützen, schreibt uns (per Kommentar)!! Damit wir unser Haus fertig kriegen, ohne am Ende alle am Stock zu gehen…

Abschiedskuss

Weiterhin ist kaum an ausführliche Blogeinträge zu denken – das Haus ist zwar bestimmt zur Hälfte fertig, aber der Bau hat zumindest meine Zeit weiter fest im Griff. Kiko und ihre Brüder tun das Übrige. Freizeit (und Schreibzeit) ist rar. Das System Gemely funktioniert aber weiter zuverlässig. Alle ziehen an einem Strang und wenn mal jemand eine Pause braucht und/oder krank ist, versuchen die anderen einzuspringen. Und die Babys lieben ihre Schwester, himmeln sie an, lassen sich kitzeln und drücken. Umgekehrt genauso. Die drei haben nochmal eine ganz andere Ebene miteinander als wir Erwachsene mit den Kindern – und das wird ja noch wachsen. Ich bin gespannt. Gut, dass wir uns haben!!
Eine Kleinigkeit wollte ich mal eben erzählen, und zwar eine interessante Marotte von Kiko. Sie lässt sich ja ohne Murren auf unsere Schichtwechsel ein – egal, was die Antwort auf ihre Frage „Wer hat die Nacht?“ ist, sie beschwert sich nicht. Wenn ich mich aber verabschiede (bei den anderen ist es ähnlich, aber zwischen ihr und mir fällt es mir echt auf), dann will sie einen Abschiedskuss, aber dieser Kuss muss das Letzte sein, was ich in ihrer Anwesenheit noch mache. „Aber dann sofort gehen!“, fordert sie. Wenn ich nach dem Kuss mit ihr noch mal an den Tisch gehe und was trinke, braucht es einen weiteren Abschiedskuss.
Echt schräg. Wenn ich tue wie geheißen, dann ist der Abschied mit ihr angenehm knackig und schmerzlos. Kuss und raus. Aber klar, wenn wir neue Familienkonstellationen erfinden, erfinden unsere Kinder neue Umgangsformen dafür…

Was für ein Sommer

Seit Tagen bin ich in Hochstimmung. Die Babys reagieren seit vielleicht zwei Wochen beide viel wacher und begeisterter darauf, wenn mensch sich mit ihnen beschäftigt – und ich habe plötzlich das Gefühl, dass Noam und Ta tatsächlich mich wahrnehmen, wenn ich komme, mit ihnen schäkere und spiele und sie in den Arm nehme. Noam futtert Brei und gerät ganz aus dem Häuschen, wenn er ein Melonenstück in den Mund geschoben bekommt, dreht sich auf den Bauch und strotzt vor Lust auf Bewegung und Leben – und Ta gibt das schönste Kichern von sich, wenn ich ihn auf Hals, Bauch oder Wange knutsche (am besten mit babykompatiblen Geräuschen). Tatsächlich genieße ich die Zeit mit ihnen, trotz all der Arbeit, die noch getan werden muss. Und die Nächte mit den Babys sind auch nicht mehr schlimm, ich mache die jetzt manchmal auch ohne Not alleine und rufe Yuriko (die allerdings langsam urlaubsreif ist) nur einmal nachts zum Stillen. Kann passieren, dass sie und ich trotzdem von 22:00 bis 5:00 Uhr durchschlafen und ich dann nach dem Stillen gemütlich mit den Zwillingen aufstehe, während sie nochmal weiterschlafen geht. Dann liegt Noam vielleicht noch zwei Stunden zufrieden mit seinem Babyspielzeug rum und Ta schläft noch eine Runde oder sitzt auf meinem Arm, während ich frühstücke oder sogar lese oder telefoniere. Und dann kommt irgendwann Kiko und begrüßt ihre Brüder und manchmal setzt sie sich zu ihnen (oder einem von ihnen) in das laufstallartige Babypodest und singt ihnen was vor oder erzählt ihnen, dass sie keine Angst vor dem Fuchs haben müssen. Es kann also wirklich schön sein. Drei Kinder zu viert – im Allgemeinen geht das gut. Yuriko soll demnächst mal ein Wochenende für sich bekommen, da fahre ich dann mit Kiko weg und A-lex und Emma nehmen die Babys. A-lex hat neulich auch gesagt, dass dieser Sommer entspannter ist, als er es sich vorgestellt hat und Emma hat zumindest noch vor wenigen Wochen gesagt, dass sie die Zeit mit den Babys immer genießt. Sie und Yuriko haben ja den unglaublichen Urlaub mit allen drei Kindern gestemmt, der A-lex und mir viel extra-Zeit geschenkt hat: Acht Tage im Allgäu. Hat gut geklappt, war aber natürlich anstrengend mit 150-%-iger Dauerverantwortung. Auch im Alltag nehmen die beiden Mütter in jeder ersten Nachmittagshälfte alle drei Kinder mit auf einen Spaziergang – ein Ritual, das den Babys einen Mittagsschlaf im Zwillingskinderwagen beschert und das Kiko auch sehr bald als regelmäßige Einrichtung eingefordert hat: Sie fährt in ihrem alten Kinderwagen mit und kann sich da ein bisschen vom anstrengenden Kindergartenvormittag erholen.
Meine gute Stimmung hat vielleicht auch damit zu tun, dass wir einen großen Teil der Baustelle erfolgreich hinter uns gebracht haben – und dass unser ausgetüftelter Kinderbetreuungsplan, der mir fast volle vier Baustellentage (7-16:30 Uhr), A-lex genug Zeit für seine Firmen und Emma und Yuriko gerade (knapp) genügend Freiraum gewährt, tatsächlich funktioniert hat. Natürlich ist das Haus noch nicht fertig. Aber ich genieße diese Tage, in denen groß und schwer zu sehen ist, was wir alles schon geschafft haben. Am 5. August ist Richtfest. Was für ein Sommer…

Baustelle & Babys

Da ist er, unser Nadelöhrsommer: Die Bauarbeiten für unser großes neues Haus haben begonnen, ich (Heiko) bin viel damit beschäftigt, A-lex hat neben seiner Ganzjahresfirma auch noch seine Sommerarbeit aufgenommen, Emma hat auch noch einige berufliche Verpflichtungen, Yuriko ist immer für alle Kinder da und die Zwillinge schlafen längst nicht mehr den ganzen Tag. Es ist der Wahnsinn. Und gleichzeitig machbar und sogar schön und manchmal sogar einfach. Obwohl ja jetzt rein rechnerisch immer nur eine*r von uns vieren was anderes machen kann als ein Kind zu betreuen. Abgesehen von der Zeit, die der Kindergarten uns verschafft, damit ist Kiko ja wenigstens werktags vormittags gut versorgt.

Im derzeitigen Alter braucht tatsächlich jedes Kind meist eine erwachsene Bezugsperson. Die Zwillinge zu zweit zu nehmen, das geht nur, wenn sie schlafen (nachts schlafen sie glücklicherweise ziemlich gut und lang) Inzwischen wollen sie bespielt werden oder herumgetragen, abgesehen vom Wickeln und Füttern. Und Kiko fordert ihren Platz vehement ein – es kommt vor, dass sie sich auf Yurikos Schoß wirft und versucht, den zu besetzen, bevor jemand ein Baby draufsetzt, damit Yuriko stillen kann. Da braucht es Verständnis und Fingerspitzengefühl, bei all der nötigen Klarheit darüber, dass sie kein Baby zwicken oder treten darf. Eigentlich ist sie sehr süß zu ihren Brüdern – aber eben auch voller Energie und auch voller widersprüchlicher Gefühle. Sie kann schon sehr selbständig sein – aber manchmal ist sie Baby und „das Baby kann noch nicht laufen und muss herumgetragen werden“. Sie turnt den ganzen Tag herum und jetzt im Sommer erinnert sie uns an die glücklichen und pfiffigen Kinder aus Astrid Lindgrens Büchern.

Heute war ein so heißer Tag, dass wir die Babys draußen nackt auf eine Decke legen konnten (bei Jungs immer spannend: wohin werden sie pinkeln?). Noam, der immer noch größere, fand das ganz wunderbar, hat gegluckst und sich gefreut und sich dann zum ersten Mal alleine auf den Bauch gedreht (und den Arm darunter befreit). Ta wollte davon noch nichts wissen, obwohl er andere Dinge gut kann: Greifen, mit den Händen spielen, alleine einschlafen. Wie Emma geschrieben hat: ganz verschiedene Personen werden das. Sie staunen sich an, wenn sie nebeneinander liegen, jeder von ihnen wird immer seinen Bruder haben – das ist was Besonderes.

Wie geht es mir?

Na ja, man wächst mit seinen Aufgaben. Die Baustelle ist gut durchgeplant und vor meinem geistigen Auge ist es schon Winter und ich mach noch den Innenausbau fertig… Momentan habe ich fantastische Hilfe – wer in Gemeinschaft lebt, darf sich immer wieder über schöne menschliche Überraschungen, zum Beispiel in Form von tollen netten Mithelfer*innen freuen, die einfach unverhofft auftauchen. Das Fundament ist gut geworden, alles passt genau. Bald geht der Holzbau los. Und ich habe tatsächlich noch Zeit für einen Blogeintrag (abends um 22 Uhr, bevor ich gleich noch arbeite). Ich habe Kiko ins Bett gebracht und sie schläft ein paar Meter neben mir. Normalerweise schlafe ich mit ihr ein und wache dann erst nach Mitternacht wieder auf und arbeite dann; aber heute war es noch so hell und sie so müde – da kam ich noch mal hoch.

Ich denke schon manchmal daran, was ich mache, wenn das Haus fertig ist. Das ist ein gutes Zeichen, ich halte es also auch unterbewusst für machbar, unser Projekt.

Heute war Sonntag und ich hatte mit Yuriko die Babys. Gestern habe ich gestaunt, als Emma gesagt hat, dass Noam ja immer nur einschläft, wenn man im Manduca ein Tuch über ihn legt: Das wusste ich nicht. Als Kiko klein war, wussten alle Eltern immer alles über sie. Bei den Zwillingen war es bis jetzt schon oft so, dass ich halt „einen Zwilling“ herumgetragen habe und fast egal war, wer es war. Heute hab ich mich mal etwas besser konzentriert und den Vormittag mit Noam verbracht. Im Gegensatz zu Kiko damals schläft er nicht besonders fest, wenn er im Manduca sitzt und ich mich mit ihm hinsetze, um zu lesen. Alle paar Minuten musste ich eine weitere Runde ums Haus drehen (mit Tuch über ihm), damit er weiterschläft. Dann kam Kiko irgendwann unglücklich mit ihrer Babysitterin zurück, sie wollte sich nicht von ihr betreuen lassen. Emma und A-lex waren eigentlich für Kiko zuständig, hatten sich aber einen Paarvormittag organisiert. Anstatt sie da rauszureißen, hab ich Noam auf die Decke gelegt und Kiko dort Brote geschmiert, so haben wir eine ganz nette Zeit verbracht. Bis Yuriko mit Ta kam und wir zu fünft waren – wenn Yuriko dabei ist, finde ich es eh immer leicht (im Zweifelsfall gibt es dann die Brust).

Unter der Woche ist es nicht immer einfach; dadurch, dass so viele Eltern immer zusammen sind, gibt es auch oft Missverständnisse oder Unklarheiten, die nicht leicht zu klären sind, weil Kiko ja meistens dabei ist und alles versteht. Wir wollen nicht (auch wenn wir nicht schaffen, das ganz zu unterlassen), dass Kiko uns darüber reden hört, dass wir die Kinderbetreuung als Dienst oder Last empfinden oder der Meinung sind, jemand anderes „wäre jetzt dran“ oder so was. Obwohl es durch die ganzen anderen Verpflichtungen natürlich schon auch eine Belastung ist, immer für die Kinder da zu sein. Ich sage ehrlich (und hab das ja schon immer gesagt): Die Kinderbetreuung ist die größte Herausforderung. Dagegen ist die Baustelle was Einfaches. Eine halbe Million Euro Finanzierung auftreiben, Bauleitungsverantwortung übernehmen, morgens um 7 anfangen zu schaufeln, schleppen oder zu sägen: alles leicht verglichen damit, die Kinder liebevoll durch einen weiteren Tag zu begleiten. Aber auch das schaffen wir. Tolle Gemely.