Baustelle & Babys

Da ist er, unser Nadelöhrsommer: Die Bauarbeiten für unser großes neues Haus haben begonnen, ich (Heiko) bin viel damit beschäftigt, A-lex hat neben seiner Ganzjahresfirma auch noch seine Sommerarbeit aufgenommen, Emma hat auch noch einige berufliche Verpflichtungen, Yuriko ist immer für alle Kinder da und die Zwillinge schlafen längst nicht mehr den ganzen Tag. Es ist der Wahnsinn. Und gleichzeitig machbar und sogar schön und manchmal sogar einfach. Obwohl ja jetzt rein rechnerisch immer nur eine*r von uns vieren was anderes machen kann als ein Kind zu betreuen. Abgesehen von der Zeit, die der Kindergarten uns verschafft, damit ist Kiko ja wenigstens werktags vormittags gut versorgt.

Im derzeitigen Alter braucht tatsächlich jedes Kind meist eine erwachsene Bezugsperson. Die Zwillinge zu zweit zu nehmen, das geht nur, wenn sie schlafen (nachts schlafen sie glücklicherweise ziemlich gut und lang) Inzwischen wollen sie bespielt werden oder herumgetragen, abgesehen vom Wickeln und Füttern. Und Kiko fordert ihren Platz vehement ein – es kommt vor, dass sie sich auf Yurikos Schoß wirft und versucht, den zu besetzen, bevor jemand ein Baby draufsetzt, damit Yuriko stillen kann. Da braucht es Verständnis und Fingerspitzengefühl, bei all der nötigen Klarheit darüber, dass sie kein Baby zwicken oder treten darf. Eigentlich ist sie sehr süß zu ihren Brüdern – aber eben auch voller Energie und auch voller widersprüchlicher Gefühle. Sie kann schon sehr selbständig sein – aber manchmal ist sie Baby und „das Baby kann noch nicht laufen und muss herumgetragen werden“. Sie turnt den ganzen Tag herum und jetzt im Sommer erinnert sie uns an die glücklichen und pfiffigen Kinder aus Astrid Lindgrens Büchern.

Heute war ein so heißer Tag, dass wir die Babys draußen nackt auf eine Decke legen konnten (bei Jungs immer spannend: wohin werden sie pinkeln?). Noam, der immer noch größere, fand das ganz wunderbar, hat gegluckst und sich gefreut und sich dann zum ersten Mal alleine auf den Bauch gedreht (und den Arm darunter befreit). Ta wollte davon noch nichts wissen, obwohl er andere Dinge gut kann: Greifen, mit den Händen spielen, alleine einschlafen. Wie Emma geschrieben hat: ganz verschiedene Personen werden das. Sie staunen sich an, wenn sie nebeneinander liegen, jeder von ihnen wird immer seinen Bruder haben – das ist was Besonderes.

Wie geht es mir?

Na ja, man wächst mit seinen Aufgaben. Die Baustelle ist gut durchgeplant und vor meinem geistigen Auge ist es schon Winter und ich mach noch den Innenausbau fertig… Momentan habe ich fantastische Hilfe – wer in Gemeinschaft lebt, darf sich immer wieder über schöne menschliche Überraschungen, zum Beispiel in Form von tollen netten Mithelfer*innen freuen, die einfach unverhofft auftauchen. Das Fundament ist gut geworden, alles passt genau. Bald geht der Holzbau los. Und ich habe tatsächlich noch Zeit für einen Blogeintrag (abends um 22 Uhr, bevor ich gleich noch arbeite). Ich habe Kiko ins Bett gebracht und sie schläft ein paar Meter neben mir. Normalerweise schlafe ich mit ihr ein und wache dann erst nach Mitternacht wieder auf und arbeite dann; aber heute war es noch so hell und sie so müde – da kam ich noch mal hoch.

Ich denke schon manchmal daran, was ich mache, wenn das Haus fertig ist. Das ist ein gutes Zeichen, ich halte es also auch unterbewusst für machbar, unser Projekt.

Heute war Sonntag und ich hatte mit Yuriko die Babys. Gestern habe ich gestaunt, als Emma gesagt hat, dass Noam ja immer nur einschläft, wenn man im Manduca ein Tuch über ihn legt: Das wusste ich nicht. Als Kiko klein war, wussten alle Eltern immer alles über sie. Bei den Zwillingen war es bis jetzt schon oft so, dass ich halt „einen Zwilling“ herumgetragen habe und fast egal war, wer es war. Heute hab ich mich mal etwas besser konzentriert und den Vormittag mit Noam verbracht. Im Gegensatz zu Kiko damals schläft er nicht besonders fest, wenn er im Manduca sitzt und ich mich mit ihm hinsetze, um zu lesen. Alle paar Minuten musste ich eine weitere Runde ums Haus drehen (mit Tuch über ihm), damit er weiterschläft. Dann kam Kiko irgendwann unglücklich mit ihrer Babysitterin zurück, sie wollte sich nicht von ihr betreuen lassen. Emma und A-lex waren eigentlich für Kiko zuständig, hatten sich aber einen Paarvormittag organisiert. Anstatt sie da rauszureißen, hab ich Noam auf die Decke gelegt und Kiko dort Brote geschmiert, so haben wir eine ganz nette Zeit verbracht. Bis Yuriko mit Ta kam und wir zu fünft waren – wenn Yuriko dabei ist, finde ich es eh immer leicht (im Zweifelsfall gibt es dann die Brust).

Unter der Woche ist es nicht immer einfach; dadurch, dass so viele Eltern immer zusammen sind, gibt es auch oft Missverständnisse oder Unklarheiten, die nicht leicht zu klären sind, weil Kiko ja meistens dabei ist und alles versteht. Wir wollen nicht (auch wenn wir nicht schaffen, das ganz zu unterlassen), dass Kiko uns darüber reden hört, dass wir die Kinderbetreuung als Dienst oder Last empfinden oder der Meinung sind, jemand anderes „wäre jetzt dran“ oder so was. Obwohl es durch die ganzen anderen Verpflichtungen natürlich schon auch eine Belastung ist, immer für die Kinder da zu sein. Ich sage ehrlich (und hab das ja schon immer gesagt): Die Kinderbetreuung ist die größte Herausforderung. Dagegen ist die Baustelle was Einfaches. Eine halbe Million Euro Finanzierung auftreiben, Bauleitungsverantwortung übernehmen, morgens um 7 anfangen zu schaufeln, schleppen oder zu sägen: alles leicht verglichen damit, die Kinder liebevoll durch einen weiteren Tag zu begleiten. Aber auch das schaffen wir. Tolle Gemely.

freier Abend

Ihr merkt, neue Babys im Haushalt führen wieder dazu, dass wir kaum zum schreiben kommen. Unser Leben ist in der Tat ganz schön verplant gerade. Ich z.B. habe jetzt Mo, Mi, Fr jeweils 24 Stunden Babytag (d.h. vom Abendessen bis zum Abendessen), dann noch zweimal die Woche Kiko ins bett bringen, 2 Abende frei, 4 tage tagsüber Kikozeiten von 2-4Std. Dazwischen versuche ich, meine Arbeit hinzukriegen und alles andere. Also für Normale Eltern wäre das wahrscheinlich himmlisch, denn die haben nochweniger oder gar nicht frei. Also alles bestens und super durchgeplant, das können wir auch bestens!
Wenn ich jetzt so schreibe, merke ich, dass dabei kaum Zeit bleibt, zu reflektieren, wie es eigentlich ist. Ich liebe die Babytage, mit den Zwillingen spielen, sie füttern, sie im Tuch spazierentragen und mittlerweile schlafen sie nachts so lange, dass auch die Nächte entspannt sind. Zwillinge großzuziehen hat einen eigenen Zauber, zu sehen , wie aus 2 gleichzeitig geborenen Menschen so unterschiedliche Personen heranwachsen, zu erleben, wie sie gegenseitig aufeinander reagieren, beide gleichzeitig bespaßen….naja und manchmal beide gleichzeitig schreiend „jonglieren“. Schön ist, dass wir jetzt fast immer mindestens 2 Erwachsene sind, weil Yuriko ja auch immmer dabei ist und/oder die Person, die auf Kiko aufpasst. Da gibt es viele schöne Gespräche und gemeinsames Tun. Ich genieße auch sehr, dass die Zwillinge zugefüttert werden, so können wir nichtstillenden Eltern uns auch am Ernähren beteiligen und Babys beim Trinken liebevoll in die Augen schauen. Mittlerweile habe ich den Stillwunsch ganz losgelassen und mich eher darauf verlegt, den tiefen Kontakt, den ich mir wünsche in anderer Weise zu erleben und das geht prima mit den beiden. Ein bisschen komisch ist es, dass wir duch unsere 24Std-Planung dann ganze Tage fast gar nichts mit den babys zu tun haben.
Ich denke oft darüber nach, wie es wohl ist, wenn die 3 Kinder größer sind und dann wird mir eigentlich erst bewusst, auf was für ein Abenteuer ich/wir uns eingelassen haben. Wir sind jetzt eine 7-köpfige Familie, wow! Das wird uns die nächsten sagen wir 15 Jahre ganz schön auf Trapp halten. Ich freu mich drauf und ich werde mir jetzt erst oder mal wieder des Gewichtes bewusst, das die Entscheidung zur Co-Elternschaft mit sich gebracht hat. Die langfristigere Perspektive wird immer langfristiger. Wir sprechen im Moment auch darüber, wie wir eigentlich rentenmäßig versorgt sind und haben festgestellt, dass wir alle 4 bereit sind, auch über die Elternschaft hinaus füreinander zu sorgen. Das ist erst im Lauf der letzten 3 Jahre entstanden, denn gestartet sind wir mit einem commitment für so etwa 18 Jahre. Das berührt mich sehr.
So, nun noch ein bisschen freimachen am freien Abend-der will ja immer möglichst effektiv genutzt sein (-;)

Viel vor. Keine Zeit für Blog…

2016 haben wir viel vor. Wir bauen ein Haus und ich als einstmals ausgebildeter Zimmermann muss kräftig mithelfen, damit wir das auch bezahlen können. Wenn ich dadurch weniger Kinderdienste machen kann, müssen die anderen mehr tun, obwohl insbesondere A-lex beruflich auch schon ausgelastet war. Blogschreiben wird jedenfalls zum Luxus, wahrscheinlich komme ich in den nächsten Monaten überhaupt nicht mehr dazu. An den Kindern haben wir kaum versucht, Zeit zu sparen: Für die Zwillinge sind immer zwei Eltern eingeplant, in den nächsten Monaten neben der momentan fast 100-%-igen Mutter Yuriko vermehrt Emma (ja, dieses Jahr wird es so sein, dass die Gemely-Mitglieder mit Gebährmutter mehr Kinderdienste machen als die ohne Gebärmutter – aber wenigstens in vollem Bewusstsein dieser Tatsache). Und Kiko hat weiterhin fast zu jeder Zeit einen Elternteil für sich.

Letzteres hat, glaube ich, ihren Übergang vom Einzelkind zum Geschwisterkind sehr abgepuffert. Für uns Erwachsene ist die Freizet sehr viel weniger geworden, aber ihre Zeit mit einem Elternteil ist fast gleich geblieben. Sie ist sehr süß zu den Babys und gibt sich jetzt auch mal mit dem „Vorderschoß“ (ihr Begriff) zufrieden, wenn der eigentliche Schoß von einem Baby belegt ist, z.B. weil Yuriko gerade stillt. (Sie sitzt dann kurz vor dem Knie des Elternteils). Dass sie ihre Bedürfnisse für die Babys tatsächlich groß zurücksteckt, kann mensch nicht behaupten, aber das wäre wohl zu viel verlangt für ein dreieinhalbjähriges Kind. Sie findet dann ganz pragmatisch „jetzt kannst du ihn doch mal weglegen“, wenn sie auf einen vom Baby belegten Arm will. Und in den letzten Wochen habe ich sie auch lauter und manchmal (Achtung, unzulässig vereinfachendes Adjektiv:) nerviger erlebt in gemeinsamen (Essens-)Situationen. Sie hat wohl schon das Gefühl, ihren Platz behaupten zu müssen und trompetet laut in Gespräche oder so. Vielleicht hat es auch mit dem Alter zu tun. Neulich hatte ich zwei Stunden mit ihr, da habe ich sie gar nicht wiedererkannt, da war es wirklich, als „spiele“ sie eine total ungehaltene Erwachsene, rief dauernd „Mann!“ und dann erklärte sie leise vor sich hin, was sie völlig unmöglich findet (es war aber alles ausgedacht).

Ich sehe das interessiert und manchmal verwundert. Meistens ist der Kontakt mit ihr sehr innig. Und sie kommt auf sehr lustige Spielideen und kann schon messerscharf schlussfolgern. Nachts wachte sie auf, als ich am Schreibtisch saß und arbeitete, und rief „ich will kuscheln!“. Und ergänzte mit dem Lächeln der Erkenntnis und einem Tonfall des Schulterzuckens: „Und dafür brauch ich dich natürlich!“ Da lege ich mich doch gern dazu.

Die Zwillinge machen jetzt schon lustige Geräusche und endlich können wir sie ohne riesigen Aufwand mit nach draußen nehmen. Das Zwillingstragedings verstaubt im Schrank, wir sind mit Manduca und Tragetuch unterwegs sowie mit unserem Zwillingskinderwagen. Da schlafen die beiden schnell ein und schlafen lange. Überhaupt, am Abend wird oft geweint, da tun die Bäuche weh oder so; den Rest der Nacht und tagsüber sind die beiden ganz zufrieden und wir dann natürlich auch. Immer noch unfassbar, dass wir jetzt drei Kinder haben.

Es gäbe so viel zu erzählen, aber ich muss schon gleich wieder los. Vielleicht das noch: Wir haben uns vorgestern ganz konkret zur Frage getroffen, wie wir gemeinsam fürs Alter vorsorgen wollen, und haben dabei unabhängig voneinander den Wunsch erklärt, am besten für immer eine Familie zu bleiben und z.B. das Geld zu teilen, auch, wenn die Kinder mal aus dem Haus sind. Obwohl keine*r vorhersagen kann, was wir dann für Bedürfnisse haben. Natürlich kann es immer sein, dass eine*r mal auszieht oder so. Aber das Treffen war schon was Besonderes.

Ich wünsche einen schönen Sommer! Vielleicht könnten wir im Baugäste gebrauchen (die auch wirklich mit anpacken können, z.B. ab August zum Strohballeneinbau; unser Haus wird mit Strohballen gedämmt) oder jemanden, der sich als Entlastung mit um die Kinder kümmert, ggf. könntest du einen Kommentar hinterlassen, dann melden wir uns (bitte stets geduldig sein, bei uns allen vieren bleiben gerade Mails liegen…)

Co-Mutter-Milchbildung die Zweite (siehe blogeintrag vom 24.9.2015)

Nun sind die Babys schon fast eine Woche zu Hause. Das hat auch das stabilste gemely-System erstmal kräftig umgehaun. Erst Heiko krank, dann Alex krank, jetzt ich….. Die Nächte sind einigermaßen schlafarm für Yuriko und die zweite Person. Eine dritte Person passt auf Kiko auf und ein Elternteil darf mal frei haben. Wie schaffen das bloß „normale“ Eltern…..
Aber es ist auch toll, wir sind nunmal einfach zu viert und arbeiten so super zusammen, das haben wir ja nun schon 3 Jahre geübt. Gerade füttert Heiko Noam, Ta schläft hier in unserer Küche, Yuriko geht gleich mal schlafen. Ich habe Kiko-Aufsicht, Alex schläft sich gesund.
Vor 3 Wochen habe ich wieder angefangen, meine Brüste erst abzupumpen und dann konsequent mit der Marmet-Technik auzustreichen . Ich habe mich bemüht, das 10-12 mal täglich zu tun, aber meist nur 8mal geschafft. Ich wollte mich vorbereiten auf die Zeit, wo die Babys zuhause sind und ich sie dann mit dem Brusternährungsset anlegen kann. Es gab eine kleine Entwicklung hin zu einem größeren Tropfen Milch. Naja…Immerhin! Letzen Samstag (heute ist Do) habe ich dann mit Hilfe unserer Hebamme, Tar mit dem Brusternährungsset angelegt, WOW das war schön. Zwar ein ziemliches Gewurschtel, bis das Kind richtig liegt, die Brust richtig im Mund hat und dann auch noch den Schlauch, wo die Milch rauskommt, aber dann…..zu sehen, wie dieser süße Kerl fröhlich an meinen Brüsten saugt. Hinterher war ich stundenlang von Glückshormonen überflutet. Habs gleich nochmal ausprobiert am gleichen tag und am nächsten und am nächsten. Ohne Hilfe der Hebamme war es dann eher kompliziert und es gab einige Malheurs….der Schlauch war nicht im Mund und die Milch ist in den Body gelaufen oder der unbenutzte Schlauch war nicht festgeklemmt und die Milch ist einfach so rausgelaufen……aber das schöne Erlebnis blieb. Er saugt einfach trotzdem, egal was rundrum passiert. Am 4. tag wollte er nicht ….wahrscheinlich weil er nachts gespuckt hatte und noch zu schlapp zum Stillen war., war bei der Biomutter genauso. Jetzt bin ich erkältet und mache erstmal Pause.
Und die „induzierte Laktation“ also Milchbildung? Ich hatte den Plan möglichst jeden Tag tagsüber für die Babys da zu sein, um möglichst oft anzulegen, denn ich glaube, nur so kommt Milch, nicht vom Ausstreichen. Von den ersten vier Nächten habe ich drei gemacht (wegen Krankheit). Das regelmäßige Ausstreichen der Brust ist bei der ganzen Babyversorgung und dem Versuch auch noch ein bisschen Schlaf zu bekommen hinten runter gefallen. Und da noch nicht beide Kinder voll an die Brust gewöhnt sind und das Brusternährungsset also nur bei einem geht, komme ich auch nicht so oft in das Vergnügen ein Kind an der Brust zu haben. So funktioniert das nicht. Ich wusste, es braucht Ausdauer und Geduld, aber ich glaube, es ist noch nicht der richtige Zeitpunkt.
So habe ich also wieder aufgehört. Es hat auch Vorteile für unser gesamtes gemely-System. Wenn ich durch regelmäßiges Stillen genauso gebunden bin wie Yuriko, dann sind wir als ganze Familie mit noch einem Kind nicht mehr so flexibel, wie wenn ich genau wie die beiden Väter Fläschchen geben kann bzw Brusternährungsset. Zumindest habe ich für mich die Brusterfahrung und das Anlegen mit brusternährungsset werde ich einfach weiter machen, wenn passt. Auch, wenn es mal nur ums Nuckeln und Beruhigen geht, kann ich meine Brüste anbieten. Vielleicht versuche ich es nochmal in ein paar Wochen, vielleicht wars das jetzt einfach. Schade und auch Erleichterung.

Leben zu siebt

Die Zwillinge sind da!

Und haben aus einer ganz normalen, beschaulich das Leben genießenden Gemely (so nennen wir unsere Co-Elternschaft aus vier Erwachsenen und bisher einer 3-jährigen Tochter) einen 7-köpfigen Dauerbeschäftigungszustand gemacht.
Die gute Nachricht: Wenn ich alle drei Tage 24 Stunden lang zusammen mit der Milch pumpenden und stillenden biologischen Mutter Babydienst habe, bin ich danach weich und glücklich. Komme gut damit klar, dass wir vier Erwachsenen jetzt viel öfter zusammen sind und mit unseren jeweiligen Schrullen leben müssen, und stecke auch den verpassten Schlaf der Babynacht gut weg.
Freizeit ist allerdings selten geworden und beruflich sowie ehrenamtlich muss ich mich auch rarer machen. Zu sehen, wie wenig Schlaf die Biomutter (meine Partnerin) bekommt, ist betrüblich, und dass wir überhaupt keine Zeit mehr nur zu zweit haben, sollte bitte kein Dauerzustand werden.

Was bisher geschah

Eigentlich hatten wir uns zu fünft sehr gut eingerichtet. Unser erstes Kind gedeiht prächtig und macht im Alter von bald dreieinhalb Jahren so richtig viel Spaß. Wir wollten auch deshalb noch ein Kind, weil wir ihr ein Geschwisterchen gegönnt haben; noch jemand, der in einer (trotz des großen Erfolges) leider doch ungewöhnlichen Familienkonstellation aufwächst.
Dass sich da zwei Kinder in den Bauch geschlichen haben (und so schnell: Am Abend der Entscheidung für ein zweites Kind wurde schon gezeugt!), war eine Überraschung. Und hat leider dazu geführt, dass die Biomutter vor der Niederkunft drei Monate liegen musste und die Zwillinge nach der Geburt noch 6 Wochen in Krankenhäusern aufgepäppelt werden mussten. Aber am 22. Januar durften sie nach Hause, und dort haben wir unser Wohnzimmer zum Babyschlaflager umfunktioniert.

Alles neu

Während wir vorher für jeden Elternteil den komfortablen Rhythmus von drei freien Nächten und dann einer Nacht mit dem Kind gepflegt hatten – tagsüber waren dank Kindergarten meist sogar nur noch zwei Bezugspersonen nötig, die sich die Nachmittagsbetreuung teilten – haben wir jetzt jeweils nur noch alle drei Nächte frei, die Biomutter Yuriko gar nicht: Jeder nicht-milchgebende Elternteil hat 24 Stunden Babydienst mit Yuriko, von Abend bis Abend, dann eine Nacht frei, dann einen Abend das „große“ Kind. Dann wieder Baby, frei, Kind. So sind immer zwei Leute mit den Zwillingen beschäftigt – entweder gleichzeitig, wenn beide Hunger haben oder Bauchweh oder sonstwie bespaßt werden möchten – oder einer für beide Babys, damit die andere Person zum Schlafen kommt. Gestern Abend zum Beispiel hat A-lex die Nacht mit unserer Tochter gemacht, das heißt, er schlief in ihrem Zimmer. Emma hatte frei und hat sich nach ein bisschen Kuscheln mit A-lex in ihren Bauwagen verzogen. Yuriko konnte nach Stillen und Essen und Pumpen um halb elf endlich schlafen gehen und ich blieb bis halb vier Uhr morgens bei den Babys: Füttern, wickeln, herumtragen, dazwischen (mit dem jeweils am hörbarsten meckernden Baby auf dem Arm) eine Folge Serie gucken und später sogar noch etwas arbeiten (find ich immer witzig, wenn meine Mails um 3 Uhr nachts verschickt werden, das macht doch was her…). Um halb vier Übergabe an Yuriko und vier Stunden schlafen, dann wieder Einsatz für die Babys mit etwas Computerarbeit nebenbei. Heute Vormittag habe ich getippt, dabei 80-Jahre Platten gehört (Men without Hats, Bananarama) und beide Babys haben zufrieden vor sich hin gedöst – ein toller Moment.

Wie weiter?

Nach etwa zwei Wochen Babys im Haus ist immer noch alles neu. Einerseits überkommt mich zuweilen Panik, wie wir das alles schaffen sollen: Wer verdient jetzt eigentlich noch das Geld für uns sieben? Wir wollen in diesem Jahr ein Haus bauen! Wann soll ich alles schaffen, was um mich herum zu tun ist?
Andererseits leben wir ein absolut intensives Leben ganz im Moment. Die Babys wachsen und sind gesund, das Allerwichtigste. Jede neue Woche mit ihnen wird wieder einzigartig. Wir bewähren uns, einzeln wie zusammen. Wir schaffen es, unsere Tochter sanft ins Leben einer Schwester zu führen (jetzt hat nicht mehr jeder sofort Zeit für sie und sie kann auch nicht mehr so wild herumtoben wie früher, wenn die Babys in der Nähe sind). Wir kriegen immer noch ganz schön viel gebacken (unser Hausbauvorbereitungsprozess läuft gut) und manchmal habe ich auch einfach frei: Morgen Vormittag kann ich machen, was ich will.

Auch den heutigen Abend habe ich zur freien Verfügung, und als ich mich dann von der Familie gelöst hatte und in meinem Zimmer stand, stellte ich fest: Ein freier Abend verursacht mir ein bisschen Stress. Frei haben ist jetzt so was Besonderes, dass ich unbedingt was draus machen muss.
Ich wusste, dass am anderen Ende des Dorfes eine Party stattfindet, und obwohl ich nicht eingeladen war, bin ich durch Nacht und Regen mit Schnaps und Zitrone zu dieser Party gewandert. Ich habe mir nämlich neulich aus einer Laune heraus seit 25 Jahren zum ersten Mal wieder eine Flasche Tequila gekauft, und auf einer Party Tequila zu trinken, das wäre schon ein besonderer Zeitvertreib für den freien Abend. Die Party hat sich als sehr kleine und sehr junge geschlossene Gesellschaft entpuppt, gruppiert um ein paar Teelichter, und da bin ich dann sehr schnell wieder abgezogen. Vater von drei Kindern versucht verzweifelt, einen drauf zu machen?
Ficht mich nicht an, ich habe es versucht und darf jetzt auf den bewährten Plan B zurückgreifen: Folge Serie gucken (House of Cards), Chips, lesen. Und ich erwäge, den Tequila allein zu probieren. Einmal frei in drei Tagen, das ist einfach wenig. Wie war das, Salz, Schnaps, Zitrone: Uaaah.