Archiv für September 2015

Kaltstart zur Stillmama

eigentlich gäbe es ja immer so viel zu berichten. z.B. hat ein gemeinsamer urlaub von Kiko und mir im Juni ebenfalls zu einer deutlichen veränderung unserer beziehung geführt. Seitdem ist das eigentlich kaum mehr vorgekommen, dass sie mit Geschrei die anderen einfordert. Nur noch einmal, da durfte nur Heiko ihr die Socken anziehen….sehr entspannend für mich jetzt. Da ich nun im Moment v.a. diejenige bin, die mit ihr die Kindergarteneingewöhnung macht, hat sich unsere beziehung auch nochmal vertieft…..nun ist aber auch das vorbei, denn sie geht schon fast alleine in den Kindergarten, wow!
So, nun aber zum Kaltstart. Da ja nun 2 Kinder unterwegs sind, macht das ja nun nochmehr Sinn zu zweit zu stillen. Bei Kiko hatte ich noch zu viele unbeantwortete frage und es dann nicht gemacht und nun bin ich aber fest entschlossen. Ich habe eine Handpumpe (im Moment 3 mal tgl 2-3 Minuten), trinke milchbildenden Tee (obwohl das anscheinend nix nutzt, wie ich gerade lese) und werde noch Bockshornkleekapseln oder auf websiten empfohlene Medikamente nehmen, die die Milchbildung anregen sollen. Auch eine spezielle Massage soll helfen (bestimmt angenehmer, als die Pumpe). Ein wichtiger Hinweis von unserer Hebamme war: das Oxytozin muss gleichzeitig gebildet werden, also: Stimulation mit der Hand (die Babys machen das , indem sie am Anfang so nuckeln, bevor sie richtig saugen), Fotos, Gedanken (z.B. an den Film vom ersten Stillanlegen der winzigen Kiko, den wir am 3. Geburtstag sahen und der mir regelmäßig die Tränen in die Augen schießen läßt!).
Diesen Artikel fand ich z.B. sehr hilfreich aktuell: http://www.stillen.de/wp-content/uploads/2012/03/KKS-03.2012-Adoptivstillen-D.-Herrmann.pdf
Das erste mal war wirklich der Hammer, der totale Hormonflash in allen Zellen meines Körpers (schließlich ist das ja auch ein sehr erogener Ort), es gab Glücksgefühle und Weinen und oh Wunder sogar einen Tropfen Milch aus einer Brust. Am nächsten Tag gesellte sich zu dem hellbeigen durchsichtigen Tropfen was richtig weißes milchiges, Nun Pumpe ich schon 10 Tage und es kommt nicht viel mehr, manchmal sogar gar nichts. ich bemühe mich, bei all dem entspannt zu bleiben, mich nicht unter Druck zu setzen, denn schließlich ist auch nicht klar, ob es klappen wird, wieviel ich produzieren werde, ob die Babys das mögen und und und. Wenn sie zu früh kommen, wird sowieso alles nochmal ganz anders sein. Die Erfahrung habe ich bei Kiko wenigstens schon gemacht, es kommt immer ganz anders, als wir denken. Einmal hat Kiko den Tropfen abgeschleckt und fand ihn lecker , das war vielleicht ermutigend, dann das braucht jetzt schon ganz schön Disziplin von meiner Seite und bringt mich auch ganz schön durcheinander.
Was mir auch erst klar wurde, als ich mich aufs Pumpen vorbereitet habe…ich werde eine Vollzeitmama sein, so wie eine Mutter mit einem Kind eben. Als Kiko auf die Welt kam, war ich Teil des Teams rund um die stillende Yuriko. Nun sind wir 2 und die beiden Männer sind das Team. Wieviel Zeit bleibt zum Arbeiten, Schlafen etc. bis die Kinder größer sind und nicht mehr gestillt werden ?Alex hat die Frage erst aufgebracht, obs wirklich eine Erleichterung bringt, wenn beideFrauen stillen. Ich denke auf jeden Fall werden wir viel flexibler sein und Yuriko bekommt Entlastung. Ich freue mich schon sehr auf die Kinder, auf das Experiment mit dem Stillen und auf die Stillbeziehung zu Yuriko.
Vorgestern saß ich auf dem Sofa mit der Pumpe an der Brust und Yuriko meinte, was für ein Idyll, sie brütet die Babys (seit 3 Wochen darf sie nur noch liegen und lagert in unserer Küche auf dem Podest), ich pumpe und das Kind spielt.

heute feiern wir geburtstag, darum singen wir ein lied

heute vor drei jahren um diese zeit ging es nach vier tagen krankenhaus und wehenhemmung wieder los, und ich habe den anderen eltern bescheid gesagt, dass sie jetzt besser in die klinik kommen sollen. damals war ich an dem tag so vollauf mit geburt beschäftigt, dass ich weiter über gar nichts nachgedacht habe. so etwa zwei nächte später gab’s dann bei mir plötzlich eine art kleinen schock, als ich plötzlich dachte „was habe ich getan? ich habe 3-4 leute geheiratet!!!!!“. wenn mir damals eine_r hätte sagen können, wie es jetzt nach drei jahren läuft, hätte ich in jener nacht bestimmt besser geschlafen!

ja, das kleine kiko-wesen ist jetzt also schon drei jahre alt. und hat eine eigene meinung, wie so ein geburtstag verlaufen soll! wir eltern hatten uns gedacht, heute morgen erstmal noch langsam zu machen, weil es ja dann im kindergarten schon geburtstags-action gibt, beim kindertanzen dann nochmal, und dann halt im anschluss daran zu feiern, mit den von kiko gestern selbst verzierten muffins, mit geschenken und mit den leuten aus ihrem direkten umfeld.
aber als kiko heute morgen in die küche kam, schielte sie als erstes neugierig auf den küchentisch, wo eine kerze für sie brannte, und sagte dann: „machen wir jetzt meinen geburtstag? kann ich mein geschenk auspacken?“ und die muffins, fand sie, sollte es auch schon zum frühstück geben.

in so einem moment ist blitz-verständigung und improvisation mit vier eltern gleichzeitig gefragt. sah dann so aus, dass es einen muffin zum frühstück gab, alle sich um den frühstückstisch versammelt haben und ein geburtstagslied gesungen wurde. wobei die feinabstimmung noch verbessert werden könnte: emma war grad draußen, als wir uns auf ein lied geeinigt haben, und als sie wieder rein kam, meinte heiko: „ja, jetzt können wir lossingen!“ – und er und emma stimmten beide gleichzeitig voll inbrünstig zwei verschiedene lieder an. großes gekicher, vor allem bei kiko, und dann hat der zweite anlauf geklappt. kiko hat sehr ernsthaft gelauscht und keine miene verzogen, und wollte dann, dass wir „bis der kindergarten vorbei ist!“ weitersingen. vom muffin wurde nur die deko angeknabbert, dann wollte kiko lieber doch das übliche frühstück, und das thema geschenk war irgendwie erstmal gar nicht mehr wichtig.

ich selbst kriege jedes jahr an kikos geburtstag einen kleinen rührseligen anfall. an diesem tag damals fing etwas völlig neues in meinem leben an. bis zu kikos geburt war alles noch theorie, dann plötzlich realität. und mit kiko ist nicht nur ein kind in mein leben getreten, sondern zusätzlich noch eine ganze familie. und da fehlen mir schlicht die worte, um auszudrücken, was mir das bedeutet.