Archiv für Januar 2014

Abstillen

Eigentlich sollte ich vorgestern damit anfangen. Nun ist Kiko aber krank und der Kelch ist an mir vorübergegangen. Neulich haben wir alle vier Erwachsenen einen Spaziergang gemacht, Kiko im Manduka schlafen lassen und uns darüber ausgetauscht. Yuriko genießt zwar das Stillen auch, aber fühlt sich zunehmend ausgezehrt und freut sich auf Durchschlafen im eigenen Bett. Dennoch bedeutet das Abstille auch Loslassen und braucht ein bisschen Zeit. Für uns andere hat das Stillen zwar gewisse Bequemlichkeiten, aber wir begrüßen auch die neuen Möglichkeiten, Ausflüge mit Kiko ohne Yuriko, nur alle 4 Nächte dran sein, 100% für sie sorgen können. Wir wollen das Abstillen jetzt angehen. Nach langem Hinundherüberlegen haben wir uns entschieden, mit den Nächten anzufangen und diese dann je eine_r von uns 3 anderen alleine ohne Yuriko zu machen. Nun fürchten wir uns alle schon ein bisschen davor, obwohl wir wirklich gar nicht wissen, wie es wird. Aber wir wissen auch, das das schon alle Eltern irgendwann geschafft haben!!!
2 tage später …..es kam alles ganz anders. Nun ist Yuriko so krank geworden, dass sie nicht mehr stillen konnte und Alex musste spontan in seiner Schicht die Nacht übernehmen. Sie ist nur einmal aufgewacht, hat verzweifelt nach Yuriko gesucht und nachdem klar war, sie ist nicht da, die Flasche genommen und wieder geschlafen….bis Alexs Wecker um 7 klingelte (na das lernen wir auch noch, den vorher auszumachen). heute bin ich dran, yuchee, wenn das so einfach ist!

Auch mal was Kontoverses zwischen uns – Zahnpflege

Beim Thema Zahnpflege bahnt sich ein Konflikt an, naja vielleicht auch nicht.
Yuriko und ich haben vor einem halben Jahr, seit Kiko erste Zähne hat, angefangen ihr mit unserer Methode (Swak und Miswak-Zahnhölzchen) die Zähne zu putzen. Es war das, was wir selbst für uns gerade herausgefunden hatten, es war das, was wir da hatten. Aber wir haben es auch nicht mit den anderen diskutiert. Heiko hat nun ein halbes Jahr später plötzlich eine Zahnpasta und Zahnbürste angeschleppt. Auch ohne das zu diskutieren. Alex wiederum hat festgestellt, dass er persönlich ohne Putzen am besten klarkommt. Nun putzt Kiko sich mit beiden Bürsten die Zähne, an einem Abend alle 3 Tage dann auch noch mit Zahnpasta drauf. Ich bin überhaupt nicht begeistert. V.a. weil es keine Auseinandersetzung dazu gab, muss mir aber auch vorwerfen lassen, dass ich einfach Tatsachen geschaffen habe am Anfang. Yuriko hat gar nicht so ein Problem damit, dass Kiko mal so mal so die Zähne putzt. Ich vermute, dass es besser ist, da eine klare Aussage zu machen, woher soll sie später wissen, was gut für sie ist.
Manchmal denke ich, dass es leichter ist, mit weniger Bezugspersonen klären zu müssen, wie was gemacht wird. Ich kann so z.B. meine Vorstellung von einem gesunden Aufwachsen von Kiko einfach nicht konsequent verfolgen und die anderen auch nicht. Aber wahrscheinlich streiten sich nur 2 Elternteile auch schon mal über sowas wie Zahnpflege oder Ernährung.
Ganz grundsätzlich fände ich es gut, wenn wir das mit dem Zähneputzen thematisieren würden und werde es beim nächsten gemely-treffen ansprechen.

Weihnachten und Großeltern

Kiko hat ja mit vier Eltern eine große Schar von Verwandten, streng genommen 4 Großmütter und 4 Großväter, etliche Tanten, Onkels, Cousinen und Cousins. In unserem Fall kommen nicht alle Großeltern als Opas/Omis etc. in Frage, aber zumindest einige. Z.B. meine Eltern. Hätte ich selbst ein Kind zur Welt gebracht, wären sie bestimmt gleich darauf vorbeigekommen, zumindest meine Mutter. Bei einem Co-Kind ist das anders. Ich versuche ihnen zwar klar zu machen, dass ich dieses Kind wie mein eigenes betrachte und auch kein anderes Enkelkind produzieren werde. Dennoch fällt es ihnen schwer, Kiko als ihr Enkelkind zu sehen. Ich bin enttäuscht, ja leider. Alexs Vater samt Frau, auch seine Mutter nehmen das lockerer, sie haben viele Enkelkinder und freuen sich scherzhaft darüber, jetzt Viertelopa und -oma zu sein. An Weihnachten (Kiko ist 15 Monate alt) kam es dann endlich zu einer ersten Begegnung mit Kiko, mir als Mama und meinen Eltern. Wir hatten einen schönen Nachmittag vor dem Weihnachtsbaum, Kiko war die ganze Zeit gut drauf, meine Eltern begeistert von ihr. Ob sie sich jetzt doch ein bisschen wie Kikos Großeltern fühlen, ich weiß es noch nicht, ich muss sie erst fragen. Wahrscheinlich zögere ich das extra hinaus, ich vergesse immer zu fragen, will nicht enttäuscht werden.
Mit all unseren Geschwistern und ihren Kindern ist es übrigens total nett, die Viertel-onkels und Vierteltanten haben ihr Nichte voll aufgenommen. Das ist schön!

Co-Muttersein nach 16 Monaten

Gerade lege ich das Buch von Jochen König weg „Fritzi und ich“, wo er darüber schreibt, wie es ist, als Vater alleinerziehend zu sein und welchen Rollenklischees mensch überall begegnet. Echt tolles Buch! Am Ende schreibt er, dass es für eine Person eigentlich eine viel zu große Aufgabe sei, ein Kind großzuziehen, sogar für 2 Personen, die dann auch noch Beziehungsthemen haben und dass es eigentlich mehr Menschen in Elternverantwortung bräuchte. Das wären dann also wir, vier Leute, die sich freiwillig zusammen um ein Kind kümmern. Wenn ich den Alltag eines allein erziehenden Menschen oder sogar von zuzweit-erziehenden Menschen so mitbekomme, bin ich mir regelmäßig des großen Luxus bewusst, den wir gerade erleben. Selbst wenn ich, wie gerade, zwei Nächte hintereinander, 2 Morgende und 2 Vormittage hintereinander auf Kiko aufpasse, so kommen doch zu jeder Mahlzeit die andern Eltern zusammen und ich kann sie wieder abgeben. Und heute Nachmittag kann ich dann ganz ungestört in meinem Bauwagen sitzen und mich gründlich erholen von der stressigen Zeit, die ich gerade hatte (Messe, Deadlines in meiner Arbeit und so), sogar heute Abend auch noch. Ich bin erst morgen um 9 wieder dran.
Im Moment ist mein Kontakt zu Kiko auch dementsprechend nicht sooo rosig. Es geht uns gut miteinander, aber sie merkt, dass ich etwas abgespannt bin. Mittlerweile kann ich aber gut damit leben. Es gibt auch andere Zeiten, in denen es superschön ist mit uns. Ich fühle mich mittlerweile zu -sagen wir- 90% als vollwertige Mutter. Die Einschränkung mache ich, weil wir das mit dem Abstillen noch nicht durch haben und so die Nächte immer noch ganz von Yuriko abhängen. Solange wir das noch nicht machen, fühle ich mich auf diesem Gebiet einfach total unsicher.
Das Gefühl von vollwertiger Elternschaft kommt aber auch vom Kontakt mit Kiko, sie macht deutlich klar, was sie will und ich lerne mit ihr, was sie braucht, wie sie ist, wenn sie müde wird, was sie mag und nicht mag, ihre ersten Worte (Hallo, Menno und Geil) und ihre vielen neuen Worte, die sie gerade lernt. So entsteht ganz leicht bei mir das Gefühl, dass ich vollwertig für sie sorgen kann und wir unsere ganz eigene Beziehung zu einander entwickeln. Aus diesem Gefühl kam dann auch vor Weihnachten der Impuls von mir, sie alleine ins Bett zu bringen. Mittlerweile klappt das bei allen richtig gut. Das trägt auch zu diesem Gefühl bei.
Es ist leider immer noch so, dass sie alles stehen und liegen lässt, das Buch, das wir gerade anschauen, das Stück Kartoffel, für das sie gerade den Mund aufgemacht hat, wenn sie Yurikos und Heikos Stimme hört. Ehrlich gesagt, das nervt! Heute hatte ich ihr was gekocht. Kurz bevor es fertig war, kam Yuriko rein und der Hunger wurde an der Brust gestillt. Danach war mein Essen noch gut, um es vom Teller auf den Tisch und von dort herunterfallen zu lassen. Da merke ich, dass ich mit dem Thema doch noch nicht so entspannt bin. Ich nehme es mir nicht mehr so persönlich zu Herzen, aber es nervt. Und dabei bin ich mir sicher, dass diese Unterscheidung nicht darauf zurückzuführen ist, dass eine_r von uns besser mit ihr umgehen kann und deshalb beliebter ist. Es kommt vom Gebären, Stillen und der engen Beziehung zwischen Heiko und Yuriko. Ändern wird sich vielleicht etwas, wenn Kiko abgestillt ist und wir alle unabhängiger uns bewegen können. Ich freue mich auch schon sehr darauf, mal mit Alex und Kiko alleine Zeit zu verbringen, irgendwohin zu fahren oder so.
Interessant finde ich, dass trotz nur Viertelelternschaft mein Leben fast ausschließlich aus Kind und Alltag besteht. Es fällt mir seit Kiko da ist, regelmäßig schwer, meinem Leben eine Richtung zu geben, mir wirklich bewusst zu sein, was mir wichtig ist, mir Ziele zu setzen. Es gibt mal so Momente, aber die versacken dann wieder im alltäglichen Rhythmus, alle 3 Tage Kikonachtabendundmorgen, täglich 2 Stunden von 9-11 oder von 11-13 Uhr oder von 14.30-16.30 oder von 16.30 bis 18.30.
vielleicht ist das am Anfang eines Lebens mit Kindern einfach so und irgendwann werden wir alle wieder selbstständiger, die Kinder und die Eltern.

Mehr Verantwortung – und meine Selbstgefälligkeit

Zwei Wochen nach dem letzten Eintrag ist das Ins-Bett-Bringen zumindest für mich kein Thema mehr. Ich finde es sogar schön. Ich hab noch mal eine ganz andere, größere (gefühlt!) Verantwortung für Kiko. Mal weint sie, ich glaube aber nicht, dass es ihr tatsächlich schlecht geht, mal brabbelt sie zufrieden vor sich hin oder sagt gar nichts und braucht nur eine Weile, um eine gute Schlafposition zu finden. Wenn ich nicht mit ihr einschlafe, gehe ich gern ins Nachbarzimmer und mache Dinge ganz allein, während Yuriko noch ihrer eigenen Abendgestaltung nachgeht. Dann schaue ich Mails durch oder lese. Und ich wäre bereit für den nächsten Schritt; ihr nämlich nachts eine Flasche zu geben und sie gar nicht mehr zu stillen. Darüber haben wir konkret noch nicht geredet (tun wir aber bestimmt nächste Woche), aber irgendwo genieße ich es, die volle Verantwortung zu haben und bin gespannt darauf. Wahrscheinlich würden wir einfach warme Dinkelmilch in die Flasche tun, das trinkt sie schon sehr gern, wenn sie aus ihrem Nachmittagsschlaf aufwacht.

Vielleicht bin ich ein kleines bisschen inspiriert von einem Buch, das ich gerade lese und das mir wirklich gut gefällt: „Fritzi und ich“ von Jochen König (Herder-Verlag). Da schildert ein junger Vater sehr flüssig geschrieben und ganz trocken davon, wie er seine Tochter als Haupterziehungsberechtigter aufzieht, während die Mutter des Kindes woanders wohnt und nur ab und zu mal das Kind nimmt. Der Vater macht also die meisten Nächte allein mit Fritzi und verbringt die Elternzeit auch mit vollem Einsatz für das Kind. Er schildert zum Beispiel, wie langweilig der Alltag mit Kind manchmal ist und wie er den Kontakt zu seinen Freunden zu verlieren fürchtet, erzählt aber auch, wie er ganz gut allein mit den Aufgaben des Elternseins zurechtkommt. In vielem finde ich mich total wieder, weil ich (außer Stillen) ja auch alles mache, was anfällt. Ich bin jedenfalls kein Vater, der sich vor der Babykacke ekelt oder so.
Andererseits haben wir es viel leichter; was der Autor darstellt, ist genauso anstrengend, wie wenn eine Mutter das alleine stemmen muss (und das schreibt er auch) – und wir sind zu viert. Deswegen wäre unsere Geschichte als Buch vielleicht auch nicht so toll zu lesen, weil sich ständig alle fragen würden – wo ist euer Problem? Wir haben ja kein nennenswertes.
Jedenfalls habe ich großen Respekt vor Leuten, die mit weniger als vier Erwachsenen ein Kind großziehen, und mit dem Autor kann ich mich besonders gut identifizieren, weil er auch ein Vater ist. Vielleicht will ich deshalb jetzt auch mal die Nächte ganz allein machen, weil ich das auch können will.

Das Kind im Buch wurde natürlich auch nur kurz gestillt, sonst wäre das nicht gegangen. Und ich bin schon sehr froh darüber, dass bei uns alles zusammen ging: Keine Überbelastung für die Biomutter und trotzdem das Stillen, das sich nach wie vor sehr natürlich anfühlt und das ja in vielerlei Hinsicht auch sehr praktisch ist. Wenn wir jetzt den geschilderten nächsten Schritt angehen, birgt das auch Gefahren. Denn Kikos und Yurikos Beziehung hat ja viel mit dem Stillen zu tun. Ich bin sicher, dass die beiden auch ohne Stillen dicke Bande hätten – sicher wäre es auch schön für Yuriko, ihre Tochter ein bisschen autonomer zu erleben – aber vielleicht fühlt es sich auch ein bisschen getrennt an, wenn Yuriko dann die ersten Wochen ganz ohne Kiko schläft. Und bei mir besteht immer die Gefahr, dass ich so stolz auf meine ersten allein überstandenen Nächte bin, dass sich eine Überheblichkeit einstellt und ich Yuriko gegenüber nicht mehr diesen grenzenlosen Respekt aufbringe, den ich jetzt habe, weil sie immer für unser Kind da ist. Ich weiß es nicht, ich kann eben einfach auch ganz schön selbstgefällig sein.

Vielleicht dazu passend hab ich noch ein Thema, über das ich seit ein paar Tagen schreiben will. Ich hab ja das Gefühl, dass ich das gut hinkriege mit Kiko in den Zeiten, in denen ich mich um sie kümmere. Seitdem ich sie zu Bett bringe, hab ich noch mehr dieses Gefühl.
Die Zeiten ohne Kiko genieße ich aber weiterhin auch sehr. Hab ich ja schon erwähnt, dass ich unglaublich gern an meinem Schreibtisch meinen verschiedenen Arbeiten nachgehe, die bezahlt werden oder kreativ sind oder sich sonst wie wichtig und richtig anfühlen. Ich freue mich auf jede Zeit ohne Kiko, obwohl ich so begeistert über sie und so stolz auf sie und uns bin.

Jetzt ist es so, dass die anderen den Umgang mit Kiko offensichtlich genauso gut hinkriegen. Sowohl tagsüber als auch beim Ins-Bett-bringen. UND TROTZDEM gibt es da ein ganz seltsames Gefühl, und zwar: Die anderen tun mir ein bisschen leid, wenn ich ihnen Kiko übergebe, meine „Schicht“ zu Ende ist und ich meinen Dingen nachgehen kann.
Ganz merkwürdig.
So á la: „Für mich ist es zwar eine Herausforderung, das Kind zu haben, aber ich kriege es gut hin. Ihr habt es vielleicht schwerer mit ihr, ich kann mir gar nicht vorstellen, dass ihr mit dieser Herausforderung auch so euren Frieden macht wie ich“.
Und das ist nicht so. Oder? Es sieht wirklich nicht so aus. Das ist doch Selbstgefälligkeit.
Vielleicht geht’s mir zu gut mit unserem Kind?

Schreibt doch auch mal wieder was, liebe Co-Eltern.