Archiv für Dezember 2013

ab ins Bett

Als Yuriko vor ein paar Wochen festgestellt hat, dass Kiko vier Mal hintereinander gar nicht mehr beim Stillen, sondern erst danach auf ihrem Arm eingeschlafen ist, wurde „beschlossen“, sie ab sofort nicht mehr in den Schlaf zu stillen. Stattdessen sollte jemand anderes aus der Gemely sie ins Bett bringen, nachdem Yuriko die Kleine zum letzten Mal abends gestillt hat und sie offensichtlich müde ist. Das letzte Stillen sollte dann auch nicht mehr an Kikos Bett im Obergeschoss, sondern unten in der Wohnküche stattfinden. „Beschlossen“ habe ich oben in Anführungszeichen gesetzt, weil das kein Beschluss war, der gemeinsam am Tisch getroffen wurde, sondern einer, der – zumindest für mich – einfach da war (also eigentlich nicht wirklich ein Beschluss, oder?). Hat mich überrascht und auch ein bisschen gestresst, aber ich will ja auch, dass Yuriko und Kiko und damit wir alle unabhängiger werden, also finde ich das okay. Wir machen das jetzt seit zwei, drei Wochen so und ich will mal erzählen, wie das klappt.
A-lex hat so eine Technik, da hält er die Kleine im Arm und (glaube ich) läuft mit ihr herum. Und er singt so ein sprirituelles Endloslied in unbekannter (oder Fantasie-?) Sprache. Dabei schläft sie ein und dann kann er sie ablegen. Emma hat sie, glaube ich, jedesmal bald in die Babytrage (Manduca) gesteckt und Kiko in den Schlaf getragen, weil sie im Bett so geweint hat. Das finde ich nicht so toll, so einen Aufwand zu betreiben, ich möchte lieber, dass sie lernt, in ihrem Bett einzuschlafen. Ich lege mich also mit ihr hin und setze sie rittlings mir zugewandt auf den Schoß. Dann weint sie eine Weile und irgendwann legt sie sich auf mich und schläft ein. Die paar Mal, die wir das zu Hause gemacht haben, hat es also im Prinzip geklappt, allerdings muss Kiko eben meistens (und manchmal ganz ordentlich) weinen. Wir wissen alle, dass dieser Punkt irgendwann kommt, an dem Kiko nicht das kriegen kann, was sie gerne hätte. Das erleben wir ja tagsüber auch ab und zu, wenn sie lieber bei Yuriko sein will als bei einer von uns. Aber abends, wenn ich selbst müde bin und ja auch nicht weiß, ob sie nicht doch noch Hunger hat oder so, da kann das hart sein. Gestern Abend hatte ich nämlich so eine Nacht, da war es wirklich schlimm.
Wir sind jetzt alle zusammen im Urlaub in den Bergen, und weil Yuriko und ich mal wieder als Paar schlafen möchten, schläft Kiko bei uns im Bett und wird dann an zwei von drei Morgen von A-lex oder Emma abgeholt, wenn sie wach wird. Wie zu Hause, nur dass ich immer die Nächte mit Yuriko mache.
Und aus irgendeinem Grund (mein Ehrgeiz? Weil wir fanden, das sei einfacher für Kiko?) ist es so gekommen, dass ich sie jeden Abend ins Bett bringe. Tatsächlich bin ich mächtig stolz, wenn mir das gelingt. An den ersten zwei Abenden hat es nach einigem Weinen geklappt, am dritten (da war sie krank und eh schlapp und fiebrig) komplett ohne weinen und gestern dann irgendwie gar nicht. Wenn es sonst mit fünf bis zehn Minuten Weinen getan war, das dann leiser wird und schließlich verstummt, wenn Kiko bäuchlings oder auch mal andersherum auf meiner Brust einschläft, dann musste ich gestern eine gefühlte halbe Stunde schlimmes Weinen aushalten, während dem sie immer wieder zur Tür gezeigt hat. Bis ich aufgestanden und runter gegangen bin. Ich habe so im Kopf, dass ich das auf keinen Fall tun dürfte, weil sie dann lernt, dass sie nur lange genug weinen muss, damit dann doch das passiert, was sie will. Yuriko hält dagegen, dass Zu-Bett-Gehen doch keine angstbesetzte Geschichte für sie werden soll und dass wir weiterhin versuchen sollten, ihre Bedürfnisse gegeneinander abzuwägen (Müdigkeit – Angst/Panik/Nicht-Wissen-was-das-soll). Immerhin sind wir uns schon auch einig, dass Weinen nicht automatisch was Schlimmes sein muss, dass Kiko auch Spannungen abbaut durchs Weinen. Aber es gibt halt ein normales Müde-sein-Einschlafweinen, und gestern hab ich eher ein Panik-ich-brauch-was-anderes-Hilfe-Weinen gehört.
Ich bin dann jedenfalls runter, und es war vielleicht ganz gut, dass da nicht Yuriko, sondern nur Emma in der Wohnküche saß, von der sich die Kleine dann auch ganz süß beruhigen ließ. Saß auf Emmas Schoß und hat noch ein bisschen geschnieft und dann alles mit großen müden Augen angeschaut. Dann kam sie wieder mit auf meinen Arm und wir haben es ein zweites Mal probiert. Übrigens ist sie, wie auch schon beim ersten Mal in dieser Nacht, freiwillig auf meinen Arm aufgestiegen und wir haben den im Wohnzimmer verbliebenen sogar noch Gute-nacht gesagt und gewunken – Kiko hatte also schon klar, dass es jetzt ins Bett geht.
Beim zweiten Mal hat es auch geklappt (natürlich wieder mit Weinen), als ich sie dann aber nach 10 min auf meiner Brust auf ihren Rücken abgelegt habe, ist sie dabei aufgewacht und hat wieder wirklich ganz schlimm geschrien und zur Tür gezeigt.

Da bin ich dann nicht allzulange mit ihr im Bett liegen geblieben und hab sie auch nicht lange im Dunkeln herumgetragen, sondern bin wieder runter. Da war noch Emma, und die hat sie dann ohne lang zu fackeln in den Manduca gepackt, wo sie nach einigem Herumwandern auch eingeschlafen ist. Ich blieb lesend unten und war richtig mitgenommen. Vielleicht spüre ich ja mehr als ich wahrhaben will, ob Kikos Weinen ein Ich-bin-müde-Schreien oder ein Panik-Schreien ist?
Als Emma das schlafende Kind dann im Bett ablegen wollte, ist es wieder aufgewacht, und als die beiden dann wieder unten auftauchten, kam zufällig Yuriko aus der Nachbar-Ferienwohnung, wo sie bei Bekannten war. Sie hat Kiko dann gestillt und konnte sie ganz leicht ablegen.
Wahrscheinlich war sie also einfach noch nicht satt.

(später geschrieben:) Am nächsten Tag hab ich A-lex das Ins-Bett-Bringen überlassen und am Abend darauf hat es bei mir auch wieder gut geklappt. Normales Einschlafweinen und dann fest geschlafen. Das sind so unsere Abenteuer – hört sich wahrscheinlich absurd an für Leute, die das Standard-Schlaftraining absolvieren und die ihre Babys danach einfach nur ins Bettchen legen müssen… Aber ich komme nicht auf die Idee, dass wir Kiko falsch erziehen. Es ist ein spannender gemeinsamer Weg, den wir fünf da gehen, und ich freu mich täglich über die Gemely. Ich versuche, darüber auch mal wieder was zu schreiben!